Neurodermitis: Schwitzen und mögliche Folgen

Schwitzen ist ein Mechanismus zur Regulation der Körpertemperatur. Bei Neurodermitikern ist die Schweißbildung jedoch vermindert: Mit Ausnahme der großen Gelenkbeugen, sind Neurodermitiker nicht in der Lage, sich bei Überhitzung durch kräftiges Schwitzen abzukühlen. Der dadurch ausgelöste Wärmestau kann zu Juckreizkrisen führen.

Manche Neurodermitis-Patienten vertragen Schwitzen durch körperliche Anstrengung recht gut, Stress-Schwitzen hingegen führt sofort zu Juckreiz. Generell ist Stress bei Neurodermitis ein negativer Faktor für die Haut.  Wenn Betroffene einige Tipps bezüglich des Schwitzens beachten, ist auch bei Neurodermitis Sport eine gute Möglichkeit, Stress abzubauen und von den gesundheitlichen Vorteilen zu profitieren. 

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Aufgepasst bei Neurodermitis: Schwitzen kann die empfindliche Haut reizen

Neurodermitis und Sport – 7 Vorteile

Wenn Menschen mit Neurodermitis schwitzen, kann das die Beschwerden zwar möglicherweise verstärken: Doch Sport bringt auch Vorteile mit sich: 

  1. Der Zustand der Haut kann sich verbessern. Denn durch Bewegung werden Durchblutung, Stoffwechsel und Versorgung der Hautzellen mit Nährstoffen angeregt. Die Haut kann so ihre natürliche Schutzbarriere rascher erneuern.
  2. Insbesondere Ausdauersport stärkt das Herz-Kreislauf-System.
  3. Das Immunsystem wird gestärkt und bildet eine stabilere Barriere gegen äußere Einflüsse und generelle Allergieneigung: Der Körper wird weniger anfällig für Infekte, Neurodermitis-Schübe können sich verringern.
  4. „Glückshormone“ (Endorphine) werden ausgeschüttet, steigern das seelische Wohlbefinden und verringern Stress, wodurch Juckreiz-Schübe durch Sport abnehmen können.
  5. Blutfett- und Blutzuckerspiegel werden positiv reguliert.
  6. Sport erleichtert es, soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen.
  7. Bewegung bringt Spaß, insbesondere Kinder „vergessen“ beim Sport ihre Neurodermitis-Sorgen.

 

Neurodermitis und Schwitzen beim Sport – das ist zu beachten

Grundsätzlich ist es sinnvoll, wenn auch Menschen mit Neurodermitis Sport treiben. Doch das Schwitzen lässt sich meist nicht vermeiden. Deshalb sollten einige Dinge beachtet werden, damit sich sportliche Betätigung nicht negativ auf den Hautzustand auswirkt. 

Die Grundprobleme von Neurodermitikern sind ihre trockene und angegriffene Haut und die gestörte Hautbarriere. Die Haut von Menschen mit Neurodermitis kann weniger Fett produzieren und weniger Feuchtigkeit speichern als gesunde Haut. Deswegen trocknet sie schneller aus und wird rissig. Bei Neurodermitikern kann starkes Schwitzen zu einem Problem werden. Trockene und sensible Haut reagiert leicht empfindlich. Die im Schweiß enthaltenen Salze reizen die Haut zusätzlich und lösen häufig Juckreiz oder Entzündungen aus. Das Auftreten von Neurodermitis unter den Achseln und in anderen Hautbereichen, die häufig schwitzen, sind die Folge. 


Diese Tipps können Beschwerden vorbeugen, wenn  Neurodermitiker schwitzen: 

  • Unmittelbar nach dem Sport duschen, um den Schweißfilm zu entfernen. Allerdings trocknen Seifen und Gels mit Tensiden die Neurodermitis-Haut weiter aus, zerstören den ohnehin schon strapazierten Säureschutzmantel und führen zu Hautirritationen unter den Achseln und andern Körperstellen. Ein Lipid-Verlust kann durch Reinigungsprodukte mit einem hohen Anteil an rückfettenden Lipiden ausgeglichen werden.
  • Nach dem Sport nicht zu lange und zu heiß duschen, sonst trocknet die Haut zusätzlich aus, was die Neurodermitis verschlimmern kann. Bei Wassertemperaturen über 32°C werden die wichtigen hauteigenen Fette (Lipide) fortgewaschen.
  • Keine Massagehandschuhe oder Bürsten verwenden, dies reizt nur zusätzlich die Haut. Nach dem Duschen nur kurz mit einem weichen Handtuch abtupfen.
  • Seifenfreie und pH-neutrale Waschgels benutzen.
  • Durchs Schwitzen verursachten Flüssigkeitsverlust ausgleichen: Wer sich körperlich anstrengt, sollte regelmäßig und viel trinken – am besten Tee und Mineralwasser, um die ausgeschwitzten Mineralstoffe zu ersetzen.
  • Atmungsaktive Kleidung tragen: Sonst kann sich Hitze stauen, was den Juckreiz verstärkt. Wird Schweiß nicht abtransportiert, bleiben Salze auf der Haut und können sie reizen. Somit kann sich die Neurodermitis durch Schwitzen verschlimmern.
  • Nicht zu empfehlen sind enganliegende Baumwoll-Textilien, weil sie sich mit Schweiß vollsaugen und dann auf der Haut kleben.
  • Bei Ausdauersport im Freien im Frühling und Sommer Sonnenschutztextilien tragen, um starkes Schwitzen zu vermeiden.
  • Ob winzige Silberfäden (Nanopartikel) in der Sportkleidung für Neurodermitiker geeignet sind, ist noch nicht eindeutig geklärt. Befürworter empfehlen Funktionskleidung mit Silberfasern, da diese entzündungshemmend sein und antibakteriell wirken sollen. Kritiker meinen dagegen, dass Silberfasern sogar schädlich sein können, da sie möglicherweise die Haut reizen und auf der Haut siedelnde Bakterien resistent gegen Antibiotika werden können.
  • Bei einem akuten Neurodermitis-Schub besser auf sportliche Anstrengung verzichten. Rat vom Haut- oder Hausarzt einholen.

Besonderheiten bei Sport und Neurodermitis:

Neurodermitis zählt zu den drei Erkrankungen des atopischen Formenkreises. Dazu gehören auch Asthma bronchiale und Heuschnupfen (allergische Rhinitis). Gerade bei Sport im Freien sollten Menschen mit Neurodermitis deshalb folgende Aspekte beachten: 

Wenn Neurodermitiker Sport treiben, sollte neben den Hinweisen zum Schwitzen auch darauf geachtet werden nicht ständig einem allergieauslösenden Stoff ausgesetzt zu sein. Chlor beim Schwimmen kann zu allergischen Reaktionen führen und die Haut zusätzlich austrocknen. Bei Sportarten wie Fußball kann Kontakt mit Rasen oder Kunstrasen Hautstellen verletzten und verunreinigen. Die ohnehin gestörte Haut-Lipid-Barriere des Neurodermitikers lässt so oftmals Fremdkörper leichter in die Haut eindringen, was zu Juckreiz und Ausschlag führen kann. Stattdessen können Neurodermitiker Sportarten wählen, die hygienischer sind und weniger Risiken für Hautreizungen bergen wie z.B. Radfahren oder Fitness.