Neurodermitis – ein Augenmerk auf die Augen!

Neurodermitis kann auch die Augenlider betreffen, dann spricht man vom Lidekzem. Aber auch die doppelte Lidfalte der Unterlider (Dennie-Morgan-Falte) ist ein Zeichen der atopischen Dermatitis. Vorsicht ist geboten, wenn auch das Auge selbst betroffen ist.

  • Augenlid-Ekzeme können in jedem Alter auftreten: Die akute oder chronische Entzündung der Augenlider ist in allen Altersgruppen möglich, allerdings treten bei älteren Kindern und Erwachsenen Symptome wie starker Juckreiz, Schwellungen und rissige Haut gehäuft auf. Wegen der Sichtbarkeit der Symptome leiden viele Patienten besonders stark unter den entzündlichen Veränderungen der Augenlider. Die Lidhaut ist im Vergleich zur Haut an anderen Körperstellen viel dünner und empfindlicher. Wird auf den Juckreiz mit Augenreiben reagiert, können sich Rötungen und Entzündungen verschlimmern. Bei Rissen besteht die Gefahr von Hautinfektionen durch Viren, Bakterien oder Pilze.
  • Richtige Pflege ist bei Neurodermitis im Augenbereich besonders wichtig. Das Gesicht sollte morgens und abends schonend nur mit lauwarmem Wasser gewaschen werden. Dabei sollte auf Seife verzichtet werden. Um Talg (Sebum) und andere lipophile Substanzen (die sich gut in Fetten und Ölen lösen lassen) von der Haut zu entfernen, sind milde Reinigungsprodukte oder auch ein paar Tropfen Olivenöl sinnvoll.
  • Die feuchte Haut nicht trocken rubbeln, sondern nur mit einem weichen und frischen Handtuch abtupfen.
  • Das Gesicht mit einer rückfettenden, feuchtigkeitsspendenden und für Neurodermitis-Haut getesteten Creme pflegen. Die Creme nicht einmassieren, sondern nur tupfend auftragen.
  • Die Creme sollte an einem kühlen Ort gelagert werden, beispielsweise im Kühlschrank. Durch den Kühleffekt auf der Haut können Juckreiz und Spannungsgefühl gelindert werden. Allerdings sollte die Creme nicht zu lange im Kühlschrank aufbewahrt werden. Die Creme sollte kühl, aber nicht kalt sein.
  • Zeigt die Hautpflege keinerlei positive Wirkung, kann eventuell der Hautarzt ein Arzneimittel verschreiben, die möglicherweise die Symptome reduzieren. Zudem kann es auch erforderlich sein, ein sog. kontaktallergisches Lidekzem auszuschließen.

Das atopische Lidekzem steigert Risiko von schweren Bindehautentzündungen

Wer an Neurodermitis erkrankt ist, ist besonders anfällig für nicht-infektiöse Bindehautentzündungen, die durch Pollen ausgelöst oder verstärkt werden können, warnte die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) in einer Pressemitteilung.

„Dabei kommt es bei 25 bis 40 Prozent der Neurodermitis-Patienten zu einer atopischen Keratokonjunktivitis (AKK) als schwere Form der Bindehautentzündung, die unbehandelt zu Hornhautkomplikationen führen und damit bedrohlich für das Sehvermögen sein kann“, erläuterte Professor Dr. Philip Maier (Freiburg) in der Pressemitteilung. „Bei Patienten mit Neurodermitis konnte sowohl in der Haut als auch in der Hornhaut des Auges eine mangelnde Produktion des Strukturproteins Filaggrin nachgewiesen werden“, so der Mediziner. Das Fehlen der Filaggrine gehe mit Störungen im Verhornungsprozess einher, die das Auge für Komplikationen prädestinieren. Maier betonte, dass ein durch Juckreiz bedingtes starkes Reiben der Augen aktuellen Erkenntnissen gemäß die Hornhautkomplikationen vor allem bei Kindern noch fördern kann.

Bei diesen Symptomen sofort zum Arzt

Die atopische Keratokonjunktivitis äußere sich zunächst wie eine normale Bindehautentzündung mit juckenden, geröteten und tränenden Augen, geschwollenen Lidern und Fremdkörpergefühl - wobei die Symptome oft stärker als bei einer rein allergischen Konjunktivitis seien. Doch gäbe es wichtige Unterschiede.
„Zusätzlich kommt es häufig zu typischen Verdickungen an der Lidkante sowie zu Hautveränderungen wie Schuppungen oder Falten und Hautrissen am unteren Augenlid. Auch zeigt diese Form der Bindehautentzündung trotz pflegender Maßnahmen über lange Zeit oft keine Besserungstendenz“, so Maier. Bei schweren Verläufen könne es an der Hornhaut zu oberflächlichen Defekten bis hin zu Geschwüren oder einwachsenden Blutgefäße kommen, was im Extremfall bis zur Erblindung aufgrund vollständiger Trübung der Hornhaut führt.

„Wer unter Neurodermitis leidet und Anzeichen einer Bindehautentzündung bemerkt, sollte umgehend einen Augenarzt aufsuchen“, unterstrich der Experte. Das gelte auch bei geröteten und juckenden Augen mit Atopie in der Familienanamnese. Bei einer AKK seien die frühzeitige Diagnose und regelmäßige augenärztliche Kontrolle von großer Bedeutung, um langfristige Schäden an den Augen und damit Sehbehinderungen zu vermeiden. Auf Kontaktlinsen sollte während einer Bindehautentzündung grundsätzlich verzichtet werden.

Therapie: Gute Pflege und regelmäßiges Tropfen

Zur Therapie der atopischen Keratokonjunktivitis zähle die tägliche Lidrandpflege, also vorsichtige Reinigung der Lidränder mit feuchten Wattepads oder Wattestäbchen. Auch regelmäßiges Auflegen einer Wärmemaske, die zuvor in der Mikrowelle oder im Backofen erhitzt worden ist, könne helfen. Gegen Trockenheit und Juckreiz hätten sich Tränenersatzmittel (ohne Konservierungsstoffe) bewährt.

Gegen starken Juckreiz empfiehlt Professor Maier Augentropfen, die Antihistaminika (Wirkstoff gegen allergische Reaktionen) oder Mastzellstabilisatoren (Arzneistoffe mit antiallergischer Wirkung) enthalten. Diese sollten allerdings nicht ohne vorherige augenärztliche Kontrolle angewendet werden.

Um zu verhindern, dass sich ein atopisches Lidekzem auf die Augen selbst ausweitet und zu einer Keratokonjunktivitis führt, sollten auch die Augenlider sorgfältig gepflegt werden und ggf. neben einer regelmäßigen dermatologischen Kontrolle auch augenärztliche Kontrollen erfolgen.


Quellen:

Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG)

Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 7.200 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, untersuchen und behandeln. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg, ist die DOG die älteste augenärztliche Fachgesellschaft der Welt und die älteste fachärztliche Gesellschaft Deutschlands.

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