Was ist Neurodermitis?

Neurodermitis ist eine Hauterkrankung, die nicht ansteckend  ist. Sie äußert sich durch trockene, raue Haut, meist starken Juckreiz und Entzündungen.

Neurodermitis-Symptome

Etliche Stellen des Körpers können mehr oder minder großflächig von Neurodermitis betroffen sein. Dazu gehören u.a.
Zum Erscheinungsbild von Neurodermitis zählen Entzündungen, Feuchtigkeitsverlust und trockene, raue Haut verbunden mit einem meist starken Juckreiz. Die Krankheit tritt in Schüben von unterschiedlicher Dauer und Stärke auf –meist ohne sofort erkennbaren Grund. Die Schübe werden häufig von Unruhe, Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und anderen psychischen Folgeerscheinungen begleitet.
 

Neurodermitis: Typische Stellen

Besonders die Armbeugen, die Kniekehlen sowie die Hals- und Gesichtspartie sind anfällig für Juckreiz und Ekzeme. Die Symptome von Neurodermitis bei Erwachsenen unterscheiden sich in Ausprägung und Lokalisation leicht von den Symptomen bei Babys und Kindern.

Besonders die Armbeugen, die Kniekehlen sowie die Hals- und Gesichtspartie sind anfällig für Juckreiz und Ekzeme. Die Symptome von Neurodermitis bei Erwachsenen unterscheiden sich in Ausprägung und Lokalisation leicht von den Symptomen bei Babys und Kindern. Bei Jugendlichen und Erwachsenen treten die Ekzeme vor allem an Hals, Händen, in den Beugen von Armen und Beinen sowie an den Füßen auf. Im Gesicht äußern sich die Hautprobleme vor allem auf der Stirn und den Augenlidern. Oft klingen die Beschwerden bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen um das 30. Lebensjahr herum ab. 

Neurodermitis-Auslöser

Neurodermitis ist eine Krankheit, deren Symptome sich in Schüben zeigen. Diese Schübe treten nicht willkürlich und zufällig auf. Bestimmte Einflüsse - sogenannte Provokationsfaktoren - lösen die Beschwerden aus. Ein essenzieller Part bei der
Behandlung von Neurodermitis ist es deshalb, die individuellen Provokationsfaktoren ausfindig zu machen, um diese zu meiden.
Wer unter Neurodermitis leidet, sollte ein Symptom-Tagebuch führen und alle potenziellen Auslöser vermerken. Das sind zum Beispiel Lebensmittel, das Tragen neuer Kleidung, schweißtreibende Tätigkeiten, Luftveränderungen und Stress-
Situationen. Die Aufzeichnungen können helfen, die Faktoren (beispielsweise allergieauslösende Substanzen) einzugrenzen und zu bestimmen. Dann kann zusammen mit einem Hautarzt ein Plan erstellt werden, um weiteren Neurodermitis-Schüben vorzubeugen.
 

Mögliche Provokationsfaktoren sind:

Falsche oder unzureichende Hautpflege: Die Haut von Neurodermitikern braucht viel Pflege. Wird sie nicht regelmäßig mit Fett und Feuchtigkeit versorgt, trocknet sie noch stärker aus. Übermäßige Hautreinigung wie ausgiebiges Baden oder heißes Duschen fördert ebenfalls die Hauttrockenheit und belastet die Hautbarriere zusätzlich.
 
Allergien: Viele Neurodermitis Patienten haben zusätzlich eine Allergie. Der Kontakt mit den Allergenen (Stoffe, die eine Allergie hervorrufen) kann einen Neurodermitis-Schub auslösen. Nahrungsmittelallergene bei Kindern sind oft Kuhmilch- und Hühnerei-Eiweiß, Soja, Weizen, Haselnüsse, Erdnüsse und Fisch.
Darüber hinaus können allergische Reaktionen auf Pollen, Hausstaubmilben (u.a. in Teppichböden, Vorhängen, Plüschtieren), Tierhaare (z.B. Hunde, Katze, Pferd, Meerschweinchen, Rosshaarmatratzen, Lammfelle, Federbetten) und Schimmelpilze Neurodermitis-Schübe provozieren und verstärken.
Gleiches gilt für Wasch- bzw. Reinigungsmittel, beispielsweise Waschhilfsmittel zum Einweichen (Vorwaschen), Spülen oder Bleichen von Kleidungsstücken.
 
Schwitzen: Kann den Juckreiz und damit auch Neurodermitis verstärken. Mehr Info ...
 
Reizungen durch Kleidung: Wollfasern, die auf der Haut kratzen oder reiben können den Juckreiz verstärken. Auch zu enge Kleidung oder luftundurchlässige Materialien, die zu einem Wärmestau führen, können die Haut reizen und die Beschwerden verstärken. Bei der Wahl der Kleidung sollte auf verträgliches Material geachtet werden, um Hautirritationen zu vermeiden. Es gibt speziell beschichtete Fasern, die einen positiven Krankheitsverlauf unterstützen: Achtung! Auch neue, noch nicht gewaschene Kleidung kann eine Hautsymptomatik auslösen, daher sollten Kleidung, Bettwäsche, Handtücher etc. vor der ersten Nutzung gewaschen werden.
Bei Kontakt zu Babys und Kleinkindern auch an die eigene Kleidung denken – denn beim Kuscheln und Tragen des Kindes können bestimmte Textilien der Erwachsenen Auslöser für Neurodermitis-Schübe beim Nachwuchs sein.
 
Aktives und passives Rauchen: Kann Neurodermitis-Schübe auslösen oder verstärken.
 
Klima und Jahreszeit: Beides beeinflusst die Hauttrockenheit. Hitze, extreme Sonne, starke Temperaturschwankungen, geringe Luftfeuchtigkeit, kaltes Winterwetter oder trockene Heizungsluft können der Hautbarriere schaden und zur Verschlechterung der Neurodermitis führen.
 
Emotionale Faktoren: Positiver wie negativer Stress wirken sich auf das Immunsystem aus. In psychischen Belastungssituationen werden Botenstoffe ausgeschüttet, die zu verstärktem Juckreiz und einer Verstärkung der Neurodermitis beitragen können. Stress in Schule bzw. im Beruf, Konflikte mit Partnern, Angst, Trauer, aber auch dauerhafte Langeweile können negative Folgen haben.
 
Hormonelle Faktoren: Schwangerschaft, Menstruation und Menopause können die Neurodermitis beeinflussen.
 
Hautinfektionen (mikrobielle Faktoren): Krankheitserreger stimulieren das Immunsystem bei Infektionen, die durch Viren, Bakterien oder Pilze ausgelöst werden. So können sich Hautentzündungen und damit Neurodermitis erheblich verstärken. Bei Verdacht auf eine Infektion, sollte immer umgehend ein Hautarzt zu Rate gezogen werden.
Den Kontakt mit spezifischen Allergenen gilt es dann durch individuelle Strategien (Allergenkarenz) so gut es geht zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren. Der Stellenwert von Provokationsfaktoren kann je nach Person sehr unterschiedlich sein. Somit kann eine Karenz bei dem einen Patienten zu einer erheblichen Verbesserung des Krankheitsverlaufes führen, während ein anderer keine Änderung bemerkt.

Provokationsfaktoren mithilfe von Pricktests erkennen

Zwar können Betroffene mithilfe eines Symptom-Tagebuchs selbst Neurodermitis-Trigger ausfindig machen – genauere Erkenntnisse zu Provokationsfaktoren bringen aber spezielle Hauttests. Da Neurodermitis auch Allergien zugrunde liegen können, kann bei der Diagnosestellung auch ein entsprechender Test durchgeführt werden.
Experten empfehlen eine individuelle Allergiediagnostik mit sogenannten Pricktestungen und/oder der Bestimmung von spezifischen IgE-Antikörpern nach entsprechender Anamnese. Beim Pricktest (auch als Ritztest bezeichnet) werden
allergenhaltige Lösungen auf eine zuvor leicht angestochene (englisch "Prick" steht für "stechen") Hautstelle gegeben. So werden allergische Sofort-Reaktionen der Haut nachgewiesen, u.a. auf Pflanzenpollen, Hausstaubmilben, Schimmelpilze und Tierhaare. Im Falle einer Allergie treten Hautreaktion auf. Passiert nichts, liegt höchstwahrscheinlich keine Sensibilisierung gegen den untersuchten Stoff vor.

Neurodermitis-Schweregrade

Achten Sie beim Eincremen auf wirksame Inhaltsstoffe wie Ceramide, Cholesterol und ungesättigte Fettsäuren, z.B. aus dem Nachtkerzensamenöl. Die Cremes und Lotions sollten für Neurodermitis ausgewiesen sein!

Hautärzte unterteilen die Neurodermitis anhand der klinischen Symptomatik in die drei Schweregrade leicht, mittelschwer und schwer. Mithilfe des sogenannten SCORAD*-Index wird durch ein Punktesystem, welches sowohl die Ausbreitung als auch die Intensität der Krankheitssymptome erfasst, der Schweregrad der Erkrankung beurteilt.

*SCORAD = Score of Atopic Dermatitis = Punktzahl der atopischen Dermatitis
  • Leichte Neurodermitis: Eine vorübergehende Rötung der betroffenen Körperstellen zeigt die leichte Form der Neurodermitis an. Die Haut ist extrem trocken, leicht reizbar und bildet Schuppen.

 

  • Mittelschwere Neurodermitis: Die mittelschwere Neurodermitis diagnostiziert man bei stärkeren Rötungen und ausgeprägtem Juckreiz. Es sind Papeln vorhanden, dabei handelt es sich um knotige, rötliche Verdickungen der Haut, ähnlich einem allergischen Ausschlag.

 

  • Schwere Neurodermitis: Dies ist die schwerste Form von Neurodermitis mit sehr stark gereizten, hochroten und nässenden Ekzemen, die unter Krustenbildung abheilen. Die Haut zeigt durch den heftigen Juckreiz vielfach blutige Kratzspuren (Exkoriationen). Zahlreiche Papeln und Pusteln finden sich meist zusätzlich auf der Haut.

Neurodermitis-Ursachen – bisherige Erkenntnisse

Genetische Veranlagung

Wissenschaftlich nachgewiesen ist bislang, dass die Veranlagung, irgendwann an Neurodermitis zu erkranken, genetisch vererbt wird. Wenn Vater oder Mutter erkrankt sind oder waren ist es - im Vergleich zu Familien ohne Neurodermitis-Betroffenheit - wahrscheinlicher, dass auch die Kinder die Krankheit bekommen. Mediziner haben einen genetischen Enzym-Defekt erforscht, der für eine Stoffwechselstörung verantwortlich ist und zu einem Mangel an essenziellen Fettsäuren führt. Dadurch wird die natürliche Schutzbarriere der Haut geschwächt und hautreizende Partikel, Bakterien und Allergene können leichter in die Haut eindringen, was die Anfälligkeit für Neurodermitis erhöht.

Hygiene-Hypothese

Weiterhin wird die sogenannte Hygiene-Hypothese als Ursache für Neurodermitis diskutiert. Diese besagt, dass Säuglinge insbesondere in Großstädten erst später und in wesentlich geringerem Umfang mit Krankheitserregern in Kontakt kommen als Kinder, die in ländlichen Regionen mit Nähe zu Tieren und Wildpflanzen aufwachsen. Das Immunsystem der Stadtkinder erkennt Krankheitserreger als fremd und löst eine Reaktionskette aus, die zur Sensibilisierung führt und Neurodermitis-Symptome auslöst. Die Hygiene-Hypothese, auch Bauernhof- oder auch Urwald-Hypothese genannt, beruht auf der Beobachtung, dass Allergien bzw. atopische Erkrankungen in Industrieländern und hier vor allem unter Stadtbewohnern stark zugenommen haben.

Neurodermitis: Behandlung und Heilung

Ist Neurodermitis heilbar?

Bei vielen Patienten, bei denen die Neurodermitis auf genetische Disposition, d.h. Vererbung, zurückzuführen ist, ist sie nach dem heutigen medizinischenWissensstand nicht heilbar. Unterstützung in Bezug auf die Heilungschancen liefert der natürliche Alterungsprozess. Denn es ist möglich, dass im Laufe derJahre die Symptome schwächer werden. Studien belegen, dass bei etwa 40 bis 80 Prozent der betroffenen Kleinkinder mit dem Wachstum und Älterwerden bis zum Erwachsenenalter die Hautsymptome deutlich nachlassen oder gänzlich verschwinden.
 
Die atopische Veranlagung lässt sich zwar nicht heilen, allerdings sind der Umgang mit den Auslösefaktoren und auch die Entzündungen der Haut beeinflussbar. Entscheidend für einen Erfolg der Neurodermitis-Behandlung ist, dass Betroffene die Krankheit verstehen und bei der Behandlung mitwirken.
 

Wichtig: Ganzheitlicher Behandlungsansatz bei Neurodermitis

Die medizinische Forschung macht große Fortschritte bei der Behandlung von Neurodermitis. Durch ganzheitliche Behandlungsansätze, die das Erkennen und Vermeiden der Auslösefaktoren berücksichtigen, kann man die Häufigkeit und Heftigkeit der Schübe gezielt verringern. Essenziell bei der Behandlung von Neurodermitis: die langfristige Basispflege, um die Hautbarriere zu stärken. Bei Neurodermitis ist die natürliche Barrierefunktionder Haut gestört. Dadurch können Allergene und Reizstoffe eindringen. Um die Schutzschicht zu reparieren und eine extreme Hauttrockenheit zu lindern, ist eine konsequente Hautpflege unentbehrlich. Regelmäßige intensive Hautpflege durch Eincremen kann helfen, den Hautzustand zu stabilisieren und die Haut zu schützen. Zur Basistherapie gehört eine sanfte Hautreinigung zusammen mit geeigneter Pflege z.B. mit Neurodermitis Creme oder Hautlotionen. Hautpflege mit Omega-6-Fettsäuren stärkt den Barriereschutz und kann zur Verlängerung der schubfreien Phasen betragen. Zudem wird die Haut wirkungsvoll gepflegt und beruhigt.

Verbände und Selbsthilfegruppen

In Deutschland gibt es mittlerweile zahlreiche Verbände und Selbsthilfegruppen, die Unterstützung und einen Erfahrungsaustausch mit anderen von Neurodermitis Betroffenen anbieten. Einige Verbände sind hier aufgelistet. Dort - oder bei Ihrem Hautarzt - erhalten Sie Informationen zu lokalen Selbsthilfegruppen.

Quellen:

http://www.neurodermitistherapie.info/grundlagen/ursachen.htm

Springer International Publishing AG: https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-642-71974-5_17

Kassenärztliche Vereinigung Berlin: https://kvberlin.de/30patienten/60gesundheitsratgeber/neurodermitis/10teil2.html

https://www.zentrum-der-gesundheit.de/neurodermitis.html

 

Weitere nützliche Informationen: